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Nicht wie der Wind weht...

... sondern wie man die Segel setzt: Darauf kommt es an. Robert K. Heuberger hat sein Lebensmotto zum Titel seines Lebensberichts gemacht. Nach fast vierjähriger Vorbereitung sind pünktlich zu seinem 92. Geburtstag die lange erwarteten Memoiren des Winterthurer Immobilienkaufmanns, Patrioten und Mäzens erschienen. Karl Lüönd hat dieses biografische Werk eingerichtet und als Regisseur begleitet.

 

Sein erstes Geschäft machte Robert K. Heuberger, als er neun Jahre alt war und Halbwaise in Olten. Die früh verwitwete Mutter brachte ihre vier Kinder als Köchin und Theater-Kassiererin durch. An der Krisenweihnacht 1931 war zuwenig Geld für einen Christbaum im Haus. In der Dämmerung des heiligen Abends schlich Robert aus dem Haus und überredete den Gärtnermeister in der Nachbarschaft, ihm den letzten Weihnachtsbaum auf Raten zu verkaufen. Kaum war das Geschäft durch Handschlag besiegelt, tauchte ein ebenso wohlhabender wie ungeduldiger Automobilist auf und bot einen viel höheren Preis an. Aber der Gärtnermeister blieb fest, und Robert lernte: Zwischen fairen Geschäftsleuten gilt der Handschlag wie ein Dokument. Seine Schuld bezahlte er in monatlichen Raten zu 20 Rappen.


 

Leseprobe

Bankverwalter mit 17 Jahren

Als sich die Schweiz 1940 vor dem Einmarsch der Deutschen fürchtete und alle Mann an die Grenze befohlen wurden, stieg Robert K. Heuberger vorübergehend vom Lehrling zum Leiter der Volksbank-Filiale Aarburg bei Olten auf. Er stellte sich beim Geldwechsel so geschickt an, dass er sogar einen Tadel von der Direktion einstecken musste. Der junge Bankverwalter hatte höhere Gewinne erwirtschaftet als das Reglement damals vorsah.

Damals im Aktivdienst...

Grossen Raum nimmt in Heubergers Memoiren die Aktivdienstzeit ein – das lebensprägende Erlebnis seiner Generation. Heuberger war ein begeisterter Wehrmann und Offizier. Seine Schilderungen aus dem Aktivdienstalltag, aber auch von dramatischen, ja tragischen Szenen sind auch für späte Generationen berührend. Leutnant Heuberger leitete die ersten Rettungsarbeiten für die Besatzung einer in Emmen notgelandeten amerikanischen «Fliegenden Festung», und er war dabei, als beim schweren Lawinenunglück von Andermatt (1945) die Soldaten ihre toten Kameraden aus dem betonharten Schnee bergen mussten.

Die Hypothekenmaschine von Winterthur

Dass die Banken auch nach dem Krieg wenig Neigung zeigten, sich auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einzulassen, fiel dem jungen Heuberger auf, als er an seiner neuen Stelle – bei der Schweizerischen Volksbank Winterthur – am Schalter am gleichen Morgen zwei Begegnungen hatte: Ein wohlhabender Kunde beschwerte sich über die mickrigen Sparkontozinsen – und ein bauwilliger Familienvater wurde abgewiesen, weil die Bank damals keine Hypotheken im 2. Rang gab. Robert K. Heuberger brachte die beiden Kunden zusammen, das Geschäft kam zustande, die Bank konnte die 1. Hypothek schreiben und alle waren zufrieden.

Die Vermittlung von dringend gesuchten 2. Hypotheken wurde zu Heubergers erstem grossen Erfolgsmodell – bald nicht mehr nur für Einfamilienhäuser, sondern für ganze Überbauungen. Als die Banken zögerten, ging er zur Versicherung. Die «Basler» machte ihn vorübergehend zum Generalagenten für den Thurgau. Aber 1954 gründeten Ruth und Robert Heuberger zunächst in Frauenfeld ihr eigenes Unternehmen. Der Name wurde zum Programm: SISKA («Sichere Schweizer Kapitalanlagen»)

Vertrauter von Weltstars

Die Immobilienfirma gedieh und sicherte sich ihren Anteil an der von mächtigem Nachholbedarf gekennzeichneten Nachkriegskonjunktur. SISKA entwickelte eigene Bauprojekte und baute ein Netzwerk von verlässlichen Handwerkern und Architekten auf. Zugleich wurde sie zur bevorzugten Adresse von privaten und institutionellen Anlegern, vor allem Pensionskassen. Sogar Bundesrat Hans Streuli war SISKA-Kunde. Über den Zürcher Filmanwalt Henryk Kaestlin lernten die Heubergers Weltstars wie Lilli Palmer, Curd Jürgens, O.E.Hasse, Hildegard Knef, Peter van Eyck und andere kennen – nicht nur gesellschaftlich auf dem St. Moritzer Glacis, auch als Anlagekunden. So besassen die Palmer und die Knef je ein benachbartes Hochhaus in Dietlikon, und Curd Jürgens besuchte manchmal seine Mieter in Luzern persönlich. Dem Schah von Persien vermietete Heuberger seine frisch erbaute Villa im Val Suvretta, als sich der Umbau des Schah-Hauses verspätete. Aus Dankbarkeit bot ihm der Schah Projekte in Teheran an. Heuberger verwies auf das entscheidende «S» in seinem Firmennamen («Schweizer...») und leitete die Anfrage an Walter Haefner und dessen Mobag weiter.

Detailreiche, kurzweilige Erzählungen

Robert K. Heuberger brauchte für sein Buch keinen Ghostwriter, bloss einen Regisseur und Einrichter (in der Person des bekannten Publizisten Karl Lüönd.) Heubergers Hobby war seit jeher das Schreiben gewesen, genauer: das Schreiben fürs Theater. Von Heuberger gibt es acht Theaterstücke, die überall in Europa aufgeführt wurden. Entsprechend bewegt und dynamisch ist seine Erzählweise. Das Schreiben von Dialogen hat er seinerzeit beim Schauspieler Hans Krassnitzer am Schauspielhaus Zürich gelernt.

Miterbauer des modernen Winterthur – grosszügiger Mäzen

In dem über 380 Seiten starken, reich illustrierten Werk wird dokumentiert, wie Ruth und Robert K. Heuberger mit ihren Mitarbeitenden an der Entwicklung grosser Einkaufszentren und Hotels sowie an der Verwandlung von Winterthur von der Industrie- in eine Dienstleistungs- und Studentenstadt mitgewirkt haben. Die unglaubliche Entstehungsgeschichte des Einkaufszentrums Neuwiesen ist ein Kapitel, die Entstehung der «Banane» als gelungenes Umnutzungsprojekt ein anderes.

 

Das Buch ist als Zeitdokument und Quellenwerk von grossem Wert. Es zeigt die Erfolgsrezepte und schildert die Mentalitätsgeschichte einer ehrgeizigen Mittelstandsgeneration, welche die einmaligen Chancen der Nachkriegszeit entschlossen packte.

Robert K. Heuberger, dessen persönliches Vermögen von der «Bilanz» im Jahre 2012 auf etwa 550 Millionen Franken geschätzt wurde, hat sich in Winterthur immer wieder auch als Förderer des Theaters und als Mäzen hervorgetan. Die Sternwarte Eschenberg, das Vaporama, der bestdotierte Jung-Unternehmerpreis der Schweiz, ein Neubauprojekt für günstige Studentenwohnungen und die weltweit beachtete Ansiedlung des Club of Rome sind Spuren der legendären Grosszügigkeit des Ehepaars Heuberger. Die beiden betagten Persönlichkeiten machen kein Hehl daraus, dass ihr Vermögen dereinst in eine Stiftung mit kulturellen und gemeinnützigen Zielen fliessen wird.

Diese Lebenserinnerungen spiegeln in bemerkenswerter Offenheit die Haltung der Aktivdienstgeneration und die Aufbruchstimmung der 50er und 60er Jahre, aber auch die moderne Gesinnung eines sozial verantwortlichen und weitblickenden Unternehmers aus der schweizerischen Realwirtschaft.

 

Robert K. Heuberger: Nicht wie der Wind weht...
Lebensbericht eines Unternehmers.
Eingerichtet von Karl Lüönd.
384 Seiten mit 420 Abbildungen,
Buchverlag NZZ Libro Fr. 38.--


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