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Gelebtes Unternehmertum

Verarbeitende Fördertechnik – wie aus einer Idee eine Industrie entstand


Der junge Konstrukteur Walter Reist hatte für die «Neue Zürcher Zeitung» ein Problem gelöst: den schmierfreien Transport der frisch gedruckten Zeitungen von der Rotationsmaschine bis zur Verladerampe. Weil sein Arbeitgeber die Erfindung nicht weiterentwickeln wollte, machte er sich selbstständig und gründete mit dem Kettenlieferanten 1957 die Ferag in Hinwil (ZH). Seither ist das Unternehmen auf 1500 Mitarbeitende angewachsen und weltweit zum Markenzeichen für intelligente Zeitungstransportsysteme und verarbeitende Fördertechnik geworden. Karl Lüönd stellt die technischen Innovationen von Ferag in direkten Zusammenhang mit der globalen Entwicklung der Werbe- und Medienindustrie. Das Buch wurde am 18. Februar 2010 an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich vorgestellt.


Leseprobe


Als das Schweizer Fernsehen noch einen sendefreien Tag pro Woche hatte und die Russen den Sputnik ins Weltall schossen, machte der junge Konstrukteur Walter Reist aus einer Idee nicht nur ein Unternehmen, sondern einen Markt. Er hatte für die «Neue Zürcher Zeitung» ein Problem gelöst: den schmierfreien Transport der frisch gedruckten Zeitungen von der Rotationsmaschine bis zur Verladerampe. Reist erfand ein verdrehbares, mit raffinierten Greifklammern bestücktes Transportband. Weil sein damaliger Arbeitgeber die Erfindung nicht weiter entwickeln wollte, machte sich der junge Fachmann zusammen mit dem Kettenlieferanten selbstständig und gründete im Jahr 1957 die Ferag. Seither ist sie weltweit zum Markenzeichen für intelligente Zeitungstransportsysteme und für verarbeitende Fördertechnik geworden. Wo immer auf der Welt Zeitungs- oder Magazindruckerei gebaut oder umgerüstet werden, steht die Ferag-Versandraumtechnik mit im Wettbewerb, häufig erfolgreich.

Ferag startete genau zu der Zeit, als sich das Druckmediengeschäft vom Handwerk zur Industrie zu entwickeln begann. Im Gleichtakt mit der in vielen spektakulären Einzelschritten vollzogenen Industrialisierung der Zeitungs- und Magazinherstellung entwickelte Walter Reist den sehr speziellen Markt, den er heute weltweit dominiert. Diese auffällige Verknüpfung zwischen Firmengeschichte und Branchenentwicklung ist das Kernthema das Buches, das der bekannte Autor Karl Lüönd vorlegt. Er zeigt, wie die Erfindungen des Walter Reist überall auf der Welt Karriere gemacht haben.

In seinem langen Leben hat Walter Reist rund 4000 Einzelpatente erworben. Bis 1996 hat er das von ihm aufgebaute Unternehmen auch selbst geleitet und zu grossem Erfolg geführt. Zugleich hat er einen nachhaltigen Beitrag zur Förderung des kreativen, auf echte Marktleistung gegründeten Unternehmertums geleistet. Zusammen mit seiner Familie hat er das Lilienberg Unternehmerforum in Ermatingen aufgebaut, eine unabhängige Begegnungs- und Bildungsstätte und einen internationalen Denkplatz mit wirtschaftspolitischen und staatsbürgerlichen Programmangeboten.

Das vorliegende Buch zeigt, wie die Ferag mit ihren bahnbrechenden Entwicklungen in der verarbeitenden Förder- und Versandraumtechnik Meilensteine in der Mediengeschichte gesetzt hat – in einer Zeit, da sich die Druckmedien durch Fernsehen und Internet selbst unter Druck geraten sind. Karl Lüönd stellt die technischen Innovationen aus Hinwil in direkten Zusammenhang mit der globalen Entwicklung der Werbe- und Medienindustrie. Ferag-Systeme haben in dieser Zeit die Zeitungen und Zeitschriften, die traditionelle Wissens- und Unterhaltungsträger, konkurrenzfähiger und robuster gemacht. Sie ermöglichen zum Beispiel das rotative Einlegen von vorproduzierten Beilagen im Produktionstempo des aktuellen Zeitungsdrucks. Seither können die teuren Druckmaschinen besser ausgenützt werden. Andere von Ferag entwickelte Systeme verhelfen neuen Werbeformen zum Durchbruch wie den Memosticks oder der Beigabe von Warenmustern. Damit eröffneten sich neue Ertragsquellen für die Verlage.

Heute ist die in Hinwil (ZH) niedergelassene Ferag mit insgesamt 1500 Mitarbeitenden – davon 120 in Ausbildung – mit 24 eigenen Tochtergesellschaften und Vertriebspartnern weltweit präsent. Sie gehört zu den prominentesten Erfolgsbeispielen des Schweizer Spezialmaschinenbaus und repräsentiert fast idealtypisch das hoffnungsvolle Zukunftsbild einer Exportindustrie, die auf der Grundlage von Wissen, Erfindungsgeist und Marketing ihren Beitrag zur Wertschöpfung der Wirtschaftsnation Schweiz leistet.


Karl Lüönd:
Gelebtes Unternehmertum. Verarbeitende Fördertechnik – der Beitrag von Walter Reist an die moderne Medienindustrie
175 Abbildungen, 200 Seiten, Fr. 48.—
Erschienen im Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2010 (ISBN 978-3-03823-352-7)

 


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